Hartz IV fordert auch die Caritas-Ehrenamtlichen heraus

Verantwortliche der ehrenamtlichen Arbeit wollen in den Pfarreien helfen

 

Über 50 Dekanatsvorsitzende der Caritas-Konferenzen Deutschlands, Diözesanverband Essen, als Vetreter/-innen der ehrenamtlichen Arbeit in den Pfarrgemeinden trafen sich am Samstag, den 18.09.2004 in Essen-Werden zu ihrer Herbstversammlung.

Schwerpunkt des Tages war ein Grundsatzreferat von Diözesan-Caritasdirektor Andreas Meiwes über die Auswirkungen von Hartz IV. In über 2-stündiger Diskussion wurden die Merkmale der Veränderungen durch die neue Gesetzgebung in diesem Bereich verdeutlicht und über die Auswirkungen auf die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer/-innen in den Pfarrgemeinden diskutiert.

 

Andreas Meiwes zitierte aus dem Leitbild zur Position der Caritas: „Die Caritas lässt sich vom Bild einer solidarischen und gerechten Gesellschaft leiten, in der auch Arme und Schwache einen Platz mit Lebensperspektiven finden können“ und sagte dann zur Positionierung der Caritas in NRW:

 

1. Die Caritas in NRW befürchtet erhebliche negative Folgen

2. Erfahrungen aus dem Auslands zeigen, dass die Arbeitslosenquote zwar sank, die Armutsquote jedoch auf heute rund 20% anstieg

3. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, wird die Caritas mit ihren qualifizierten Angeboten die Implementierung von Hartz IV konstruktiv begleiten und sich anwaltschaftlich im Interesse der Betroffenen in den Umsetzungsprozess einbringen

 

Meiwes weiter: „Neben der Sicherung des Lebensunterhaltes bestimmt Arbeit im Wesentlichen die gesellschaftliche Stellung und Identität des Menschen. Deshalb dient Beschäftigung nicht nur dem Gelderwerb. Gesellschaftliche Integration und der Zugang zu sozialen Dienstleistungen sind in unserer Gesellschaft eng mit der Erwerbsarbeit verknüpft. Die steigende Arbeitslosigkeit ist eine große Ungerechtigkeit, und das Fehlen von armutsfesten Arbeitsplätzen ist derzeit die größte Herausforderung für die Politik.“

 

Der Essener Diözesan-Caritasdirektor forderte, dass für die Benachteiligten am Arbeitsmarkt bewährte Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik auch weiterhin zur Verfügung gestellt werden. So sind zur Eingliederung in Arbeit unterschiedliche Möglichkeiten zu entwickeln, an denen die Caritas gestalterisch mitwirken wird.

 

Er geht davon aus, dass im kommenden Jahr wesentlich mehr Menschen als heute in Armut leben werden. Meiwes wörtlich: „Wir kritisieren insbesondere die nicht bedarfsdeckende Regelleistung in Höhe von € 345,-- für den Haushaltsvorstand sowie die Absenkung der Regelleistungen für die Kindern, in der auch pauschalierte Leistungen für die verschiedenen Lebenslagen bereits integriert sind. Wir befürchten eine Verschärfung existenzieller Unsicherheiten, weitere Verschuldung und soziale Ausgrenzung.“

 

Damit es aber nicht bei pauschalen Negativ-Darstellungen bleibt, sagte er weiter zur Rolle der Caritas, das sie bereit ist, den JobCentern als zukünftig verantwortlichen Institutionen für die Umsetzung des SGB II ihre Kompetenzen bei der Eingliederung arbeitsloser Menschen zur Verfügung zu stellen und die Umsetzung der Reformen im Sinne der Betroffenen mit zu gestalten. Dies gelte sowohl für die aktive Mitwirkung in den steuernden Gremien als auch für die Bereitstellung sozialer Dienste wie Suchtberatung, Wohnungslosenhilfe, Allgemeine Sozialberatung, Schuldnerberatung, Jugendhilfe und viele andere in JobCentern.

 

Weiter forderte er, dass der Handlungsauftrag für Fallmanager mit den entsprechenden Kompetenzen eindeutig formuliert wird. Auf die derzeit öffentlich heiß diskutierte Frage nach den so genannten „1-Euro-Jobs“, also den Arbeitsgelegenheiten, meinte der Essener Caritas-Direktor, dass die Caritas den Betroffenen durch Qualifizierungsmöglichkeiten, die ihre berufliche Wiedereingliederung unterstützen, helfen will und es als unabdingbar hält, dass eine Freiwilligkeit bei Anbietern und Teilnehmern besteht, so dass keine leistungsrechtlichen Konsequenzen bei Ablehnung erfolgen. Weiterhin, dass die Arbeitsgelegenheiten zusätzliche und  gemeinnützige Arbeiten umfassen und nicht dem Ersatz regulärer Arbeitsplätze, insbesondere bisher entgeltfinanzierter oder geförderter Stellen dienen; sie nicht wettbewerbsverzerrend wirken dürfen und daher in der Regel nicht für gewerbliche Anbieter in Frage kommen und sie nicht als Kompensation für fehlende Zivildienstleistende missverstanden werden.

 

Für den Caritasverband sieht er folgende besondere Aufgaben:

 

• Das sogenannte „Social-Monotoring“

• Die kritische Begleitung der Maßnahmen

• Die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten und die Begleitung der „1-Euro-Jobber“ mit Qualifizierungsangeboten und sozialen Diensten für diese.

 

Und jetzt taucht die Klammer zu den Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden auf, nämlich die verstärkte Einrichtung von Kleiderkammern, Möbellagern, Suppenküchen und „Tafeln“, in Einzelfällen finanziellen Hilfen aus Spendenmitteln, aber auch Hauswirtschaftskurse für Sozialhilfeempfänger und z. B. auch die Möglichkeit der Familienferien mit der Caritas, die dann gesponsert werden.

 

Dies wurde intensiv und mit einem positiven Ergebnis für die ehrenamtliche Arbeit in den Pfarrgemeinden diskutiert. So sei eine ortsunmittelbare Hilfe zu gewährleisten und stelle damit völlig neue Anforderungen an viele Pfarrgemeinden, meinten die Vertreter/-innen der Caritaskonferenzen.